Goodbye, soup.io

Soup.io wird abgeschaltet. Ich habe der Seite schon 2017 den Rücken gekehrt als nach einem Ausfall drei Jahre Daten verloren waren. Auch damals hat die Finanzierung durch quasi-Spenden von Nutzern schon nicht für einen sicheren Betrieb gereicht.
Und doch trifft mich die Nachricht jetzt wieder weil vorher noch viele Jahre vorhanden waren; aber wenn das nun ganz offline geht, dann stirbt ein Stück meiner persönlichen Internetgeschichte.

Ich hatte mich irgendwie 2008 dorthin verirrt — unglaublich wie lange das jetzt schon her ist. In der Zeit begann eine ganze Welle von neuen Websites das Netz zu verändern. Die Stichworte Web 2.0 und Blogs waren nicht mehr ganz die Mode und der Hype wanderte weiter in Richtung Social Media, also MySpace, Tumblr, identi.ca und Twitter; oft mit Ruby on Rails als Unterbau. In meiner Erinnerung war soup.io die erste Website mit Endlos-Scrolling und in den ersten 1-2 Jahren konnte man das auch wirklich nutzen, da ist so unfassbar viel Zeit bei draufgegangen… später wurde die Startseite völlig von Spam überflutet, danach war der “Freunde”-Feed der entscheidende.

Jetzt scrolle ich ein letztes Mal durch mein Microblog dort und es ist wie eine Zeitreise. Schon rein auf technischer Ebene ist das interessant. Nach gut 10 Jahren erfährt man so die Halbwertszeit von Weblinks. Viele führen zu Blogs, die ruhiger geworden sind oder nicht mehr existieren (Spreeblick, argh!, das stilhäschen, Malte Welding), einige zu Menschen denen ich noch folge, aber deren Blogs seitdem umgezogen sind (Draußen nur Kännchen, c0t0d0s0.org).

Praktisch alle Video-Einbettungen sind verschwunden und von der Urheberrechtsmafia eingesammelt. Viele verlinkte Bilder von externen Seiten (flickr, tumblr, etc) sind auch weg. Noch vorhanden sind die erfolgreichen Meme und illegal nach soup.io kopierten Bilder. Einige haben Quellenangaben und ich versuche rauszufinden wer sie gemacht hat… und lande oft wieder im Nirvana weil die Quelle ein tumblr-Blog war das es auch nicht mehr gibt. Vorbildlich stabile Links gibt es auch zu Webcomics, selbst bei denen die im Laufe der Zeit ein Ende gefunden haben. Und das waren erstaunlich viele, die ich auch jetzt noch toll finde (happysad.be, DAR!, Ctrl+Alt+Del).

Und noch weiter darunter liegt die ganz persönliche Ebene, das Zurückdenken an die Person die ich war als ich das alles ins Netz geschrieben oder reposted habe. Ich scrolle vorbei an Zitaten und denke an die Bücher, Filmtitel und denke an die Kino-Abende, zwischendrin Bilder und Song-Texte, gute Freunde, aufregende Ereignisse, große Hoffnungen, tiefe Enttäuschungen. Fast wie ein Tagebuch. Und in ein paar Tagen wird alles verschwinden.

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